Katzen sind… anders!

Wenn das Wetter wie letztes Wochenende alles andere als schön ist, beschäftige ich mich zur Abwechslung gerne mit der Katzenfotografie. Ich liebe es diese eigenwilligen Wesen vor der Linse zu haben, denn sie sind eine besondere Herausforderung in der Fotografie. Katzen sind einfach anders. Man kann sie nicht platzieren und dirigieren wie einen Hund. Sie haben ihren eigenen Kopf und gerade das macht sie ja so liebenswert. Um dir einen Einblick in meine Vorgehensweise mit den Sensibelchen zu geben, möchte ich in diesem Beitrag mal genauer darauf eingehen.

In den meisten Fällen fotografiere ich „nur“ meine eigenen Katzen. Natürlich freue mich über jede Katze die ich vor der Linse habe, das ist aber ehrlich gesagt gar nicht so einfach. Es ist durchaus machbar, aber ein paar Bedingungen sollten erfüllt sein. Wichtig ist, dass die Katze kein Problem mit fremden Menschen hat. Es gibt ja die wagemutigen und sehr aufgeschlossenen, aber eben auch die, die sofort in der hintersten Ecke verschwinden wenn Besuch auftaucht.

Ich habe zwei verschiedene Herangehensweisen bei Katzenbildern. Die erste ist sehr einfach, ich schnappe mir meine Kamera und nehme das, was das Tier mir anbietet. Mit unseren eigenen Katzen kann ich hier natürlich auch viel spontaner reagieren wenn die Kamera griffbereit liegt.

Die Katze liegt schön eingekuschelt irgendwo im Haus, Garten, oder sitzt einfach an einem schönen Plätzchen. Das ist nicht sehr spektakulär aber kann trotzdem schöne Ergebnisse bringen. Im oberen Bild seht ihr meine „Zicke“ Shanty, sie genießt die Sonne und das Leben. Ich liebe dieses Bild weil es sie genau so zeigt, wie sie ist. Mit ihr sind nur ungestellte Bilder möglich, da sie eine sehr eigene Persönlichkeit hat. 😉 Eine weitere Möglichkeit ist es Katzen im Spiel zu fotografieren. Im Eifer des Gefechts vergessen sie auch schneller dass da so ein schwarzer Kasten (Kamera) vor ihnen ist, der evtl. für Verunsicherung sorgt. Wichtig ist hier natürlich dass die Katze auch Spaß am Spiel hat.

James

Wenn ich sehe dass einer der Tiger gerade gut drauf ist gehe ich oft in den Garten. Es ist generell so dass ich wenn ich etwas im Garten arbeite immer in Begleitung der Samtpfoten bin. Ich kann darauf wetten dass sie neugierig werden was denn da los ist und zumindest einer um mich herum schleicht. Das ist also sehr gut berechenbar und mit fast jeder, auch fremden Katze möglich. Vorausgesetzt, man bringt genügend Zeit und Geduld mit. Die Katze sollte sich am Besten frei in ihrer gewohnten Umgebung bewegen können.

Unser Pablo hört zwar nicht wirklich aber wir haben das Glück dass er sehr anhänglich und geduldig ist, so konnte ich ihm auch ein Blumenhalsband umlegen. Ich habe zuerst seinen Halsumfang mit einer Schnur gemessen, Blumen im Garten gesammelt und das Blumenband geflochten, so dass es sehr locker saß. Nachdem ich es ihm über gestreift hatte war er zuerst etwas irritiert da er kein Halsband kennt. Weil er aber eine coole Socke ist, hab ich ihn einfach laufen lassen und nachdem er erst einfach nur da saß ist er nach ca. 5 Minuten los getigert. Nach weiteren 10 Minuten hat er sich frei und ungezwungen damit bewegt. So ist dann auch dieses Bild entstanden:

Portraits vor schwarzem Hintergrund sind in der Regel nicht all zu schwer. Hierzu brauche ich nicht viel. Ein dunkler Boden oder Hintergrund sind von Vorteil und ein wenig Aufmerksamkeit der Samtpfote:

Beim obigen Bild saß James auf einem schwarzen Untergrund, der zufällig noch von einem Hundeshooting stand. Das ist natürlich für mich von Vorteil, da ich im nachhinein weniger bearbeiten muss, ist aber auch nicht zwingend nötig.

Meine zweite Vorgehensweise ist etwas umfangreicher, erfordert etwas Planung, aber vor allem Glück:

Beim ersten, bewussten Versuch ein geplantes Bild mit Katze umzusetzen, ist dieses Bild von Pablo entstanden, ich liebe es noch immer sehr:

Ich wollte ihn in dieser Holzschale mit Hortensien fotografieren weil sein Fell so schön mit den Farben harmoniert . Ohne großen Aufwand hab ich die Holzschale und die Blumen vorbereitet, ein weiches Fell in die Schale gelegt und ihn rein gesetzt. Er hat sich gleich hin gesetzt, aber nur ein einziges Mal aufgeblickt. Es war einfach ein riesen Glück dass ich in dem Moment schussbereit war 🙂

Auf einem Bein kann man ja bekanntlich nicht stehen und da der Herbst immer näher rückte wollte ich auch gerne ein Herbstbild mit Katze. Ich hatte schon einen genauen Plan, dieser setzte aber eine große Kooperation einer der Kater voraus. Für Shanty war das wie immer keine Option, sie ist zwar immer die erste, wenn es darum geht neue Utensilien zu erkunden, aber wenn man ihr zu nahe kommt ist sie auch schon wieder weg. Die Kater sind da schon aufgeschlossener und meistens auch sehr neugierig.

Zuerst bin ich los und habe Besorgungen gemacht. Das heißt ich war Shoppen: Ich hab Zierkürbis besorgt und auf der anschließenden Gassirunde mit Amy Hagebutten, Blätter, Nüsse und sonstiges gesammelt. Ich mag Plastik nicht so sehr und deshalb ist es mir wichtig möglichst natürliche Materialien zu verwenden. Solche „kreativen“ Ausflüge (vor allem das Shoppen) liebe ich sehr. Zum Leid meines Mannes finde ich auch meistens noch etwas anderes, was ich später für ein neues Projekt gebrauchen könnte. 😉 Die nächste Idee nimmt oft schon während des Einkaufens im Kopf Gestalt an. Hach wenn ich doch mehr Zeit hätte um alles umzusetzen!

Zuhause angekommen wurde mein großer Holzteller heraus gekramt. Den hab ich natürlich auch mal auf so einer Shopptingtour gefunden. 😉 Alles wurde schön drapiert und somit stand das Setting. Wichtig ist für mich dass ich nichts verwende was dem Tier in irgendeiner Art weh tun könnte oder Angst auslösen. Ich habe also an den Hagebuttenzweigen zuerst alle Stacheln entfernt und darauf geachtet dass der Holzteller stabil steht ohne zu wackeln. Wenn der Untergrund wackelt kann ich gleich wieder einpacken. Das Ganze muss stabil sein, sonst ist das Projekt schon gescheitert bevor es richtig los gehen kann. Diese Vorbereitungen treffe ich in der Abwesenheit der Tiger, da ich ihre Neugier ausnutzen möchte. Wenn diese erste Neugier verschwunden ist, bevor ich fotografiert habe, wird es schwieriger da z.B. dieser dekorierte Teller inzwischen uninteressant geworden ist. An diesem Tag war es dann aber auch schon spät und zu dunkel zum Fotografieren.

Sonntag Morgen: Draußen regnete es in strömen und die Fellknäuel lagen faul an den unterschiedlichsten Ecken im Haus, kein Mucks zu hören. Ich hab das Setting neu aufgebaut. Aufgrund des Regens leider drinnen, das Licht ist drinnen zwar schlechter aber ich wollte es versuchen.

Nun muss ich dazu sagen dass es nicht funktioniert eine Katze zu wecken und zu denken man könnte sie dann davon überzeugen auf einen seltsamen Teller zu sitzen. Also zumindest bei meinen funktioniert das nicht. Meine Katzen sind weitestgehend untrainiert, sie kommen und gehen wie sie wollen. Allerdings spielt mir die Tatsache dass sie verfressen sind natürlich in die Karten.

Ich habe schon öfters solche Settings aufgebaut, aber die Tiger haben nicht kooperiert oder die entstandenen Bilder waren zwar nett, aber nicht das was ich mir vorgestellt hatte. Ich zwinge meine Tiere zu nichts und deshalb ist und bleibt es einfach ein Glücksspiel.

Weil ich mir die Mühe aber nicht umsonst machen möchte, habe ich mir angewöhnt auch Bilder ohne Tier zu machen. Ich hab eine schöne Holzplatte mit Herbstdekoration, warum sollte ich das nicht nutzen? Das hat den Vorteil dass ich schon mal mit der Kameraeinstellung experimentieren und testen kann um später schneller zu sein. Falls die Tierfotos nichts werden, kann ich das Bild zumindest für eine schöne Postkarte verwenden und/oder bei Adobe Stock einstellen und verkaufen 😉 Dabei fällt mir ein, ich sollte das mal machen, denn ich habe noch einige Exemplare auf der Platte die ich endlich hochladen müsste. ☺️

Herbstiliches Motiv für allerlei Verwendungszwecke

Während ich die Bilder „ohne“ gemacht habe, ist keine Katze aufgetaucht. Also alles wieder beiseite gestellt und mit anderem beschäftigt. Nachmittags kam unser Kater Pablo (mein zuverlässigstes Model) um die Ecke und ich sah ihm schon an dass er hungrig war. PERFEKT! Also los, Kamera lag schon bereit, Deko wieder drapiert und wie erwartet musste erst einmal alles ausgiebig beschnüffelt werden. Pablo war guter Dinge und hat sich langsam aber vorsichtig auf die Platte gestellt.

Nun saß er natürlich noch nicht und hat auch den Kopf nicht gehoben, ich gebe ihm die Zeit die er braucht um alles zu erkunden. Dann kommt meine Geheimwaffe ins Spiel. Bierschinken! Mit etwas leckerem in der Hand habe ich ganz gute Karten. 🙂 Noch ist er etwas verschlafen, aber der Bierschinken bringt ihn schnell auf Touren.

Die ersten Bilder werden meistens nicht so toll, aber ich nutze sie um die Einstellungen noch einmal zu überprüfen und anzupassen. Dann hat der gnädige Herr sich hin gesetzt und es entstand das erste Bild, das schon mal ganz gut war. Leider noch nicht perfekt denn er saß zu weit rechts auf dem Teller und da war auch noch eine Lücke links auf dem Teller, die ich mit einem weiteren Kürbis auffüllen wollte. Es ist schlimm mit den Fotografen, es fällt uns furchtbar schwer Kompromisse einzugehen, wenn es theoretisch auch noch besser ginge. 😉

Da ich dieses Bild aber nun schon mal im Kasten hatte, hab ich alles auf eine Karte gesetzt. Ein weiterer Kürbis wurde dazu gelegt, Pablo hoch genommen und ein Stück weiter links platziert. Das Risiko dass er dann keine Lust mehr hatte war natürlich groß, aber er hatte glücklicherweise noch mehr Hunger auf Bierschinken. Ich war so was von begeistert von dem Kerl, denn er hat sich einfach wieder hin gesetzt, nicht von der Stelle gerührt und weiter schön zu mir (Bierschinken) hoch geschaut. Natürlich hat sich das für ihn auch ausgezahlt 🙂

Ja, das Ganze ist ein Glücksspiel. Ich bin jedes mal happy wenn ich so einen Moment geschenkt bekomme. 🧡 Wie du siehst ist das Bild auf ganz normalem Fliesenboden entstanden. Anfangs hab ich auch noch einen kompletten Hintergrund aufgebaut, davon bin ich inzwischen wieder etwas abgekommen. Die Erfahrung hat gezeigt dass das schon wieder ein Faktor ist, der die Katzen irritiert da der Studiohintergrund ein Fremdkörper für sie ist. Natürlich muss ich diesen Boden noch bearbeiten, aber das ist ehrlich gesagt im Vergleich zum Rest nicht mehr all zu viel Aufwand. Ich muss das Bild eh noch bearbeiten, da nehme ich das gerne in Kauf.

Wie du siehst, steckt sehr viel Aufwand hinter dieser Art von Bildern, aber ich liebe es einfach und es ist eine tolle Abwechslung für mich. Es gibt Zeiten in denen ich allein schon in den Vorbereitungen richtig aufgehe und es genieße durch Läden zu streifen und Utensilien zu suchen. Wenn dann noch ein gutes Bild dabei raus kommt hat sich das Ganze mehr als gelohnt.

Also, solltest du eine/n aufgeschlossene/n Tiger besitzen würde ich mich freuen wenn ich sie/ihn kennen lernen darf.

Du möchtest es selbst versuchen? Probier es einfach aus und gib nicht auf wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Du weißt ja, Katzen sind …anders! Vielleicht hast du ja Glück und deine Schnurrnase ist noch kooperativer als meine. 😉

Es freut mich sehr wenn du bis hier hin gelesen hast und ich hoffe dass dir der Beitrag gefallen hat.

Auf jeden Fall wünsche ich dir und deiner tierischen Begleitung alles erdenklich Gute und sende die allerbesten Grüße!

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